Matthias Simoner Drucken E-Mail
14.06.2009

ImageWWRY - STORY by matthias simoner


Ende März 2004 las ich an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, an der ich studiere, einen Aushang über eine Ausschreibung für eine Audition für eine Queen-Produktion (Rock Theatrical, eine Art Musical - von Queen - musical supervisors: Brian May, Roger Taylor and Mike Dixon). Ich dachte mir allerdings noch nichts dabei und ignorierte die Sache vorerst völlig. 2 Wochen später stand ich mit Peter (Legat - mein Gitarrenlehrer an der Uni) am Gang bei einer Rauchpause und er sagte zu mir: "Wos is ?? Meld Dich an !! Du bist der einzige meiner Studenten, der das Zeug authentisch spielen könnte." Da dachte ich zum ersten Mal ernsthaft darüber nach mitzumachen. Ich stellte also Infomaterial zusammen (Demo DVD, CDs, musikal. Lebenslauf,...) und meldete mich an.

Mittlerweile war Mitte April. Am 6. Mai erhielt ich einen Anruf aus Deutschland. Die Dame am Telefon war ganz aufgelöst "Endlich erreiche ich Sie, ich habs schon 100 mal probiert..." (Später stellte sich heraus, dass mein Mobiltelefonnetz zu dieser Zeit 1 Woche lang so gut wie nicht funktioniert hatte. Ca. 1 von 30 Anrufen wurde durchgestellt) "...eigentlich hätten wir gestern schon alles unter Dach und Fach haben sollen. Egal, das geht sich noch aus. Wir haben ihr Material bekommen und würden Sie gerne zu den Queen-Auditions nach Köln einladen. Es ist nur mehr ein Termin nächsten Freitag frei, 10:00 Uhr vormittags. Ich schicke Ihnen die notwendigen Infos und Notenmaterial per Express zu." Ich hatte zu dieser Zeit gerade sehr viel zu tun, unterrichten, Studium, viele Proben, Gigs, wie immer eigentlich. Demnach erwartete ich für den nächsten Tag die Noten, um mich vorbereiten zu können. Aber erst am Montag Nachmittag erschien der Express-Kurier mit den Worten "Ein Glück, dass Sie die Sendung überhaupt bekommen haben, denn wir haben gerade enorme Probleme aufgrund von Umstrukturierungen. Es wurde langsam eng. An diesem Tag musste ich bis 22:00 Uhr unterrichten. Montag, Dienstag und Mittwoch Vormittag tat ich nichts anderes als eine Transportmöglichkeit nach Köln zu finden, um dort zeitgerecht aber auch halbwegs fit und ausgeschlafen anzukommen.

Dienstag Nachmittag musste ich ebenfalls unterrichten. Mittwoch Nachmittag hatte ich endlich ein Zugticket. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich die Noten noch nicht mal begutachtet.

Die für Donnerstag und Freitag angesetzten Proben mussten noch verschoben werden, sollte aber noch vor Sa., 15.5. stattfinden, da ich an diesem Tag mit "Alyssa" und "Ungebleicht" beim Newcomer-Festival in St.Leonhard spielen sollte. Man einigte sich auf Sa. Vormittag, 10:00 Uhr. Mittwoch abend machte ich mich zum ersten mal mit den vorzubereitenden Songs vertraut.

Am Donnerstag, den 13.5. stieg ich am Abend in Amstetten in den Zug, aber nicht wie geplant um 21:10 Uhr, nein, natürlich mit über 2 Stunden Verspätung, denn an diesem Tag passierte das schwere Zugsunglück bei Purkersdorf. Am nächsten Morgen erreichte ich Köln HBF, spielte die Songs am Rheinufer noch einmal durch und begab mich ins "Studio......", wo die Auditions stattfinden würden. Ich war einer der ersten vor Ort, ging zum Sign-In und setzte mich dann erst mal hin um zu verschnaufen. Nach und nach trudelten die Musiker ein.

Spannung und Aufregung stiegen. Musiker aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien, England, Holland, etc. fieberten ihrem Auftritt entgegen. Nach endlosem Warten kam ich schliesslich zum ersten Mal an die Reihe. Jeder einzelne take wurde mehrspurig mitgeschnitten, d.h. es ist jede Note jedes einzelnen Musikers jederzeit abhörbar, nicht nur die Gesamtaufnahme der Band. (Zur Info: Die erste Audition-Runde dauerte von Mo., 10.5. bis Fr., 14.5. täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr. Ein take dauert ca. 3 Minuten. Man rechne sich die Anzahl der takes allein in der ersten Runde aus !) Zusätzlich wurde alles mitgefilmt.

An diesem Tag kam ich noch 2 Mal dran, bevor wir dann alle mit Dankesworten verabschiedet wurden. Wir würden in den nächsten Tagen telefonisch verständigt werden. Ziemlich geschafft machte ich mich auf den Weg zum Bahnhof. Dort angekommen musste ich mich mit dem Gedanken vertraut machen meine Probe am nächsten Vormittag in Österreich absagen zu müssen, denn der Kölner HBF war wegen eines Bombenalarms evakuiert worden. Als der Alarm aufgehoben wurde, ging das Chaos erst richtig los. Alle Wartenden drängten ins Bahnhofsgebäude um Ihre Züge zu erreichen, die allesamt verspätet waren oder gar ausfielen. Gleisangaben wurden laufend geändert, etc...das reinste Tohuwabohu. Nach einigen Stunden saß ich endlich in einem Zug Richtung Amstetten (ca. 6 mal umsteigen, so gut wie kein Schlaf und Ankunft 8:30 am nächsten Morgen in Neumarkt/Y.) als in Höhe Frankfurt mein Telefon läutete. Die Produzentin höchstpersönlich rief mich an und lud mich zur Endrunde ein: "Wir wollen Dich nächste Woche wieder hören!".

Das bedeutete selbige Prozedur wieder von vorne: Proben verschieben, Transportmöglichkeit suchen, etc. Ich war also zur Endrunde (Do., 20.5. - Fr.,21.5.) geladen.Da ich am Freitag einen wichtigen Termin in Österreich hatte ließ ich mich für Donnerstag einteilen. Mittwoch abend stieg ich in Amstetten abermals in den Zug Richtung Köln und war Donnerstag morgen wieder als einer der ersten im Studio. Während der Wartezeit lernte ich neben einigen anderen bekannten Musikern Ken Taylor (Bassist für Xavier Naidoo, Peter Maffay, Falco, Brian May,...) kennen, mit dem ich viel Spaß hatte und den ich mittlerweile zu meinem Freundeskreis zählen darf. Mit einer dreiviertel Stunde Verspätung trafen dann Brian May und Roger Taylor von Queen ein. Meinen ersten take an diesem Tag durfte ich gleich mit Ken bestreiten. Ich hab wirklich gute Leute erwischt, und wenn man mit guten Leuten zusammenspielt, gibt man selbst viel mehr (Erfahrungswert).


Nach den ersten beiden Songs kam Brian May zu mir rüber, faltete die Hände, verbeugte sich vor mir und meinte: "Man, you´re superb." Ich dachte ich hör nicht recht. Der Gitarrist einer der erfolgreichsten und bekanntesten Bands dieses Planeten steht vor mir und macht mir Komplimente. Es war von Anfang an eine gute Energie zu spüren. Die weiteren takes waren sehr locker, wir haben herumgescherzt, es war eine wirklich feine Atmosphäre. Am Ende dieses Audition-Tages saß ich mit Ken (Taylor) an der Bar in der Studio Lounge.... - wir blödelten gerade mit dem Mann hinter der Bar im Wiener Dialekt (Man sollte erwähnen, dass Ken geborener Jamaikaner ist): " Heast Oida, an glan Braunan, biddee..." (Wir hatten uns kurz zuvor über gemeinsame Bekannte aus Österreich, z.B. über Thomas Rabitsch (Falco-Bandleader & -keyboarder) unterhalten und von da an nur mehr österreichischen Dialektgesprochen - ...als die Produzentin wieder alle um sich versammeln ließ um sich dankenderweise von uns zu verabschieden..."Bis auf 5-6 Leute, die würden wir morgen gerne nocheinmal hören". - Darunter auch ich. Unglaubliche Freude gemischt mit leichtem Streß machten sich in mir breit.

Einerseits freute ich mich riesig von ursprünglich hunderten Gitarristen unter die letzten paar gekommen zu sein, andererseits hatte ich diesen Tag geistig bereits abgeschlossen, freute mich auf ein paar Bier und auf meinen reservierten Schlafwagen, musste allerdings in Köln bleiben. Ich habe der Produktionsassistentin gesagt, dass die Situation etwas schwierig sei, da ich kein Quartier in Köln, einen wichtigen Termin in Österreich hätte, und mein Zug bereits reserviert und bezahlt war. Daraufhin verschwand sie für 20 Minuten um mich danach kurz zur Seite zu nehmen. In einer stillen Ecke teilte sie mir mit der Bitte um Verschwiegenheit den anderen gegenüber mit, dass man mir ein Hotelzimmer in Köln bezahlen würde. "...Du bist hier sehr gern gesehen, mehr darf ich nicht verraten...." Natürlich blieb ich dort, spielte am nächsten Tag wieder und fuhr erst am Freitag abend heim.

Am Ende dieses letzten Audition-Tages kam Brian May noch mal persönlich zu mir, bedankte und verabschiedete sich. Eine Woche später in Wien rief mich die Produzentin an: "Matthias, wir wollen Dir gerne einen Vertrag für die erste Gitarre anbieten. Von Brian soll ich Dir ausrichten, dass er und Roger sich keinen anderen Gitarristen vorstellen können als Dich! " Das ist natürlich eine grosse Ehre. Nach diesem Telefonat hab ich erst einmal kräftigst geschrien. Die ersten Leute, die ich anrief, waren meine Eltern und mein Lehrer Peter Legat. Die sind alle drei am Telefon ausgeflippt. Ich musste noch auf die Uni, wo mir mein Freund und Uni-Professor Reinhard heiser über den Weg lief. Nachdem ich ihn über die Nachricht aus Köln informiert hatte, ließ er einen Schrei los und ist mit mir mitten am Gang der Uni wie wild durch die Luft gesprungen. Die anderen Studenten warfen uns sagen wir mal "verwunderte" Blicke zu. Das war der Tag des 27.Mai 2004, ein Datum, das mir sicher für immer in Erinnerung bleiben wird.

© Absolventenverein BG/BRG Wieselburg (Impressum), 2005