Martina Plank Drucken E-Mail
12.02.2009

Martina Plank (geb. Gruber) Maturajahrgang 1992, derzeit in Paris

Image 

C'est la vie

Gleich nach der Matura wollte ich Schauspielerin werden - heute kenne ich jedes Pariser Puppentheater des französischen Helden Guignol – als Besucherin! Meine beiden Buben lieben diese Version des österreichischen Kasperls, der zu jeder Jahreszeit in den bekanntesten Pariser Parks auftritt, um die jüngsten Stadtbewohner zu erfreuen.

 

Ich wollte eigentlich nie Lehrerin werden und unterrichten -

meine Liebe zum Unterrichten entdeckte ich erst gegen Ende meines Studiums, als ich „Deutsch als Fremdsprache“ als Schwerpunkt- und Diplomprüfungsfach auswählte. Schließlich unterrichtete ich an der Amerikanischen Internationalen Schule in Wien.

Heute bin ich selbst Sprachschülerin in einem fremden Land und besuche wöchentlich meinen Französischkurs. Es macht Spaß, wieder einmal auf der anderen Seite zu sitzen, zu erfahren worin sie wirklich liegen, die Schwierigkeiten des Spracherwerbs, was wirklich zählt, wenn man sie täglich zum Überleben braucht, die lebende Fremdsprache. Was machen, wenn der Abfluss in der Küche undicht ist, dein Sohn den Schlüssel im Aufzugschacht versenkt, dir die Apothekerin einen Tuberkuloseimpfstoff für 20 Kinder verkauft, deine Kinder mit Windpocken übersät sind, die frischen Fische und Meeresfrüchte am Markt völlig unbekannt erscheinen und dich die Bäckerin partout nicht verstehen will? Die französische Sprache lebt von ihren Abkürzungen, Füllwörtern, Formeln, die dann aber wieder völlig im Trend der Zeit liegen. Sprache lebt! 16 praxislose Jahre nach dem Französischunterricht war der Einstieg schwer. Unsere Kinder dagegen haben es leicht, Tobias spricht bereits fließend französisch, Benedikt versteht alles und eilt seinem Bruder nicht nur sprachlich mit großen Schritten hinterher.

Ich freue mich meine Erkenntnisse alsbald im eigenen Fremdsprachenunterricht umsetzen zu können!

 

Ich konnte in Wien keine für mich geeignete Ausbildung zur Musikpädagogin finden, ich fand mich selbst für ein Studium an der Musikuniversität am Klavier zu schwach.

In der Zwischenzeit habe ich hier in Paris via Internetfernkurs eine Ausbildung zum „Kindermusik educator“ gemacht und „musiziere“ seit diesem Schuljahr mit drei verschiedenen Altersgruppen (0-18 Monate, 18-36 Monate und 2-4-Jahre) auf Englisch. Der Andrang ist groß, der Bedarf an Aktivitäten für Babys und Kleinkinder enorm und das Interesse an Fremdsprachen, besonders an Englisch wächst sogar hier in Frankreich! Überspitzt formuliert hat man erkannt, dass neben der Mathematik auch Sprachen in der kindlichen Entwicklung eine Rolle spielen dürfen.

 

 

Et voilà, c'est ma vie

Ich wollte immer ins Ausland gehen, um dort zu reisen, zu arbeiten, zu leben und erleben;

ich wollte immer eine Familie haben;

beides miteinander verbinden und erfolgreich sein in den Dingen, die mir wichtig sind!

 

Februar bis August 1999 - Auslandspraktikum für Deutsch als Fremdsprache an der University of Sydney;

2002 - Heirat mit Johannes Plank,

2003 - Geburt unseres Sohnes Tobias Maximilian

2005 - Geburt unseres Sohnes Benedikt Emanuel.

Auslandsaufenthalte

von Februar bis November 2006 in Toronto, Kanada

seit März 2007 in Paris, Frankreich (wie in Toronto durch die Arbeit meines Mannes).

 

Im Unterschied zu Kanada war das sogenannte „settling-in“ in Paris bei weitem schwieriger: Die Pariser sind verschlossen, reserviert, distanziert, zurückhaltend höflich aber bestimmt und sehr von sich selbst überzeugt. Sie sprechen vor allem Französisch und wenn nötig wirklich Französisch. Wir kennen vor allem Pariser Franzosen mit Kindern aus dem 15. Arrondissement, die oft internationale Erfahrung oder einen internationalen Ehepartner haben und sehr offen, umgänglich, unkompliziert, freundschaftlich, aber bestimmt sind. Gewöhnungsbedürftig für alle war auch das französische Betreuungs-, Erziehungs- und Schulsystem. Fremdbetreuung beginnt meist schon ab dem Alter von vier Monaten und staatliche Bildung ab dem zarten Alter von drei Jahren in der école maternelle. Beispiellos in ganz Europa, politisch ein tolles Konzept für den beruflichen Wiedereinstieg französischer Mütter, gesellschaftlich vielleicht die Antwort auf die Frage, warum der Franzose so ist, wie er ist.

 

Nach nunmehr 20 Monaten in Paris glaube ich behaupten zu können, wir haben es geschafft, wir haben uns gut integriert: die Kinder besuchen eine öffentliche école maternelle, besitzen einen Bibliotheksausweis der städtischen Bücherei „bibliothèque Gutenberg“, sind zu begeisterten Käse-, Fisch-, Schnecken- und Muschelessern geworden, der Käseverkäufer am Markt kennt bereits unseren Geschmack und unsere Lieblingssorten und am Fischstand ist man fast bleidigt, wenn wir einmal nicht vorbei schauen, wir kommen abends nie ohne Baguette unterm Arm nach Hause, wir werden auf der Straße, in den Geschäften und Lokalen in unserem Viertel wiedererkannt und freundlich begrüßt, besitzen eine Jahreskarte der Pariser Verkehrsbetriebe und immer wieder einen Zehnerblock für das neu renovierte Schwimmbad nebenan, die Buben sporteln außerdem im Stadion am Fuße des Eiffelturms, wir sind Mitglied beim französischen „Donauland“, abonnieren eine französische Wochenzeitung samt Fernsehprogramm und Kulturbeilage, verpassen kaum eine aktuelle Ausstellung und fast keinen Film, der in Paris spielt, wir werden von echten Parisern zum „Apéritif dînatoire“ und sogar ins obligate Landhaus eingeladen und wenn wir von einem Ausflug aufs Land zurück nach Paris kommen und den Eiffelturm schon von weitem glitzern sehen, wissen auch Tobias und Benedikt: „Wir sind zu Hause!“

© Absolventenverein BG/BRG Wieselburg (Impressum), 2005